Lernmaterial: Betriebswirtschaftliche Kosten- und Ertragsanalyse
Quellen:
- Kopierter Text (ursprünglich aus einem Lehrbuch oder Skript)
- Vorlesungs-Audiotranskript
📚 Einführung in die betriebswirtschaftliche Kosten- und Ertragsanalyse
Dieses Lernmaterial bietet eine strukturierte Übersicht über die Grundlagen der Kosten- und Ertragsanalyse in der Betriebswirtschaftslehre. Es beleuchtet die Zusammensetzung des Betriebsertrags, die Klassifizierung und Spaltung von Kosten sowie die Unterscheidung zwischen relevanten und irrelevanten Kosten und Erträgen für fundierte Entscheidungsfindungen.
1. 📊 Betriebsertrag und seine Komponenten
Der Betriebsertrag ist eine zentrale Kennzahl im Rechnungswesen und bildet die Grundlage für die Erfolgsermittlung eines Unternehmens. Er setzt sich aus verschiedenen Ertragsarten zusammen:
1.1. Fakturierter Erlös
✅ Definition: Der fakturierte Erlös ist der Rechnungsbetrag für verkaufte Waren oder Dienstleistungen, exklusive Mehrwertsteuer.
- Dieser Erlös wird von der Verkaufsabteilung erfasst und gleichzeitig in der Finanzbuchhaltung (FIBU) und der Betriebsbuchhaltung (BEBU) verbucht.
- Bei wesentlichen Rabatten als Verkaufsstrategie werden Bruttobeträge auf ein Bruttoerlöskonto und Rabatte auf ein separates Konto verbucht.
1.2. Erlösminderungen
📚 Definition: Erlösminderungen sind Schmälerungen der fakturierten Erlöse.
- Beispiele: Nachträglich gewährte Rabatte, Skonti (können betriebswirtschaftlich auch als Finanzaufwand ausgewiesen werden), Debitorenverluste, Anpassungen des Delkredere (Wertberichtigung auf Forderungen) und unter Umständen Verkaufsprovisionen an Dritte (nicht an Mitarbeitende, diese sind Lohn).
- 💡 Hinweis: In der BEBU werden zur Vereinfachung oft kalkulierte Erlösminderungen auf Basis von Budget- oder Vergangenheitswerten verwendet. Dies kann zu sachlichen Abgrenzungen führen, wenn die tatsächlichen Erlösminderungen der FIBU von den kalkulierten Werten abweichen.
1.3. Nettoerlös (Umsatz, Absatz)
✅ Der Nettoerlös ergibt sich aus dem fakturierten Erlös abzüglich der Erlösminderungen.
1.4. Bestandesänderungen unfertiger und fertiger Erzeugnisse
✅ Konzept: Gemäss dem in der Schweiz üblichen Gesamtkostenverfahren werden alle Kosten einer Periode erfasst, unabhängig vom Verkauf. Die Verbuchung von Bestandesänderungen korrigiert den fakturierten Verkaufserlös, um den gesamten Ertrag zu ermitteln.
- Bestandszunahme: Bedeutet, dass Herstellungskosten für Produkte angefallen sind, die noch nicht verkauft wurden. Diese Zunahme muss aktiviert und als Ertrag erfasst werden.
- Bestandsabnahme: Bedeutet, dass Produkte aus dem Lager verkauft wurden, deren Herstellungskosten in früheren Perioden angefallen sind.
- Bewertung: Erfolgt nach Verfahren wie FIFO (First-In, First-Out), gewichtetem Durchschnitt oder Standard-Verrechnungspreisen.
- ⚠️ Sachliche Abgrenzungen: Können entstehen, wenn Vorräte in der FIBU unterbewertet werden oder die Verbuchung in FIBU und BEBU nicht synchron erfolgt.
1.5. Ertrag aus Eigenleistung
📚 Definition: Dieser Ertrag entsteht, wenn selbst hergestellte Produkte nicht an Dritte verkauft, sondern im eigenen Unternehmen genutzt werden.
- 1️⃣ Aktivierbare Eigenleistung: Wenn das Produkt bei einem Kauf von Dritten aktiviert würde.
- Beispiel: Eine Computerfirma nutzt einen selbst hergestellten Computer in der Buchhaltung. Die Herstellkosten werden in den Sachanlagen aktiviert und abgeschrieben.
- 2️⃣ Verbrauchte Eigenleistung: Wenn das Produkt bei einem Kauf von Dritten als Aufwand erfasst würde.
- Beispiel: Ein Bleistifthersteller verwendet eigene Stifte in den Büros. Der Verbrauch wird als Gemeinaufwand (Büroaufwand) verbucht.
- Die Gegenbuchung erfolgt jeweils im Konto "Ertrag aus Eigenleistung".
- ⚠️ Sachliche Abgrenzungen: Entstehen, falls die FIBU verbrauchte Eigenleistungen nicht oder zu anderen Werten als die BEBU verbucht.
2. 📈 Kostenarten und Kostenspaltung
Die Unterscheidung zwischen fixen und variablen Kosten ist fundamental für die Kostenanalyse und basiert auf der Abhängigkeit der Kostenhöhe von der Leistungserbringung (Produktionsmenge oder Verkaufsumsatz).
2.1. Fixe Kosten
📚 Definition: Fixe Kosten entstehen grundsätzlich unabhängig von der Leistungserbringung.
- Kapazitätskosten: Dienen der Bereitstellung der Infrastruktur und fallen auch bei Stillstand an (z.B. Zinskosten auf Anlagevermögen, zeitbezogene Abschreibungen eines Hotels).
- Bereitschaftskosten: Entstehen mit der Erstellung der Betriebsbereitschaft (z.B. Lohnkosten für Personal, um ein Hotel zu öffnen).
- Sprungfixe Kosten: Steigen sprunghaft an, wenn eine bestimmte Leistungsgrenze überschritten wird (z.B. Einstellung zusätzlicher Verkaufspersonen bei hohem Umsatz, Anschaffung zusätzlicher Maschinen bei Kapazitätsüberschreitung).
- 💡 Kostenremanenz: Fixe Kosten sinken bei rückläufiger Leistungsmenge oft nicht im gleichen Masse, wie sie bei zunehmender Leistung gestiegen sind, sondern verbleiben tendenziell auf der ursprünglichen Höhe.
2.2. Variable Kosten
📚 Definition: Variable Kosten verändern sich in direkter Abhängigkeit zur Leistungsmenge.
- 1️⃣ Lineare (proportionale) Kosten: Verändern sich im gleichen Verhältnis wie die Leistungsmenge.
- Beispiel: Akkordlohn eines Maurers (Lohn steigt proportional zur m² Mauer).
- 2️⃣ Progressive (überproportionale) Kosten: Verändern sich in einem höheren Mass als die Leistungsmenge.
- Beispiel: Parkhausgebühren, die pro Stunde teurer werden, je länger man parkt.
- 3️⃣ Degressive (unterproportionale) Kosten: Verändern sich in einem kleineren Mass als die Leistungsmenge.
- Beispiel: Einzelmaterialkosten, die aufgrund von Mengenrabatten bei grösseren Bestellungen pro Einheit günstiger werden.
2.3. Kostenspaltung bei gemischtem Kostenverhalten
📚 Definition: Kostenspaltung ist das Trennen von Kostenarten in variable und fixe Bestandteile. Viele Gemeinkosten sind gemischt, d.h., sie haben sowohl fixe als auch variable Anteile (z.B. Unterhaltskosten einer Maschine: Jahres-Service ist fix, Verschleissteile sind variabel).
Methoden der Kostenspaltung:
- 1️⃣ Technische Analyse: Ermittlung der Kostenspaltung aufgrund physikalischer Gesetzmässigkeiten oder Messungen durch Experten.
- Beispiel: Treibstoffverbrauch eines Kreuzfahrtschiffs im Stillstand vs. bei voller Fahrt.
- 2️⃣ Quantitative Methoden: Statistische Auswertung des Zusammenhangs zwischen Leistungsmenge und Kostenhöhe.
- Schichthöhenverfahren (Mini-Max-Methode): Vergleicht zwei unterschiedliche Leistungsschichten (oft die minimale und maximale) und die dabei verursachten Differenzkosten, um variable Kosten pro Einheit zu ermitteln.
- Beispiel: Vergleich der Reparaturkosten von zwei Fräsmaschinen mit unterschiedlichen Laufstunden.
- ⚠️ Kritik: Die Auswahl der Schichten ist oft zufällig, und die Methode unterstellt eine lineare Abhängigkeit, die betriebswirtschaftlich nicht immer haltbar ist.
- Lineare Regression: Wertet alle Datenpunkte statistisch aus, um eine Regressionsgerade zu ermitteln, die den Zusammenhang zwischen Leistungsmenge und Kosten am besten darstellt.
- Kann grafisch (Streupunktdiagramm) oder mathematisch (Methode der kleinsten Quadrate) erfolgen.
- 💡 Ergebnis: Der Schnittpunkt der Regressionsgeraden mit der y-Achse zeigt die Höhe der durchschnittlichen Fixkosten.
- ⚠️ Kritik: Setzt lineares und monokausales Kostenverhalten voraus und ist bei kleinen Datenreihen anfällig für Extremwerte.
- Schichthöhenverfahren (Mini-Max-Methode): Vergleicht zwei unterschiedliche Leistungsschichten (oft die minimale und maximale) und die dabei verursachten Differenzkosten, um variable Kosten pro Einheit zu ermitteln.
- 3️⃣ Schätzung: Das Kostenverhalten wird von mehreren Fachleuten im Team geschätzt.
- Beispiel: Buchhalter und Meister schätzen den variablen Anteil der Kostenarten in einer Werkstatt.
- ✅ Vorteil: In der Praxis am häufigsten angewendet, da einfach, praxisnah und von den Betroffenen akzeptiert.
2.4. Einzel- und Gemeinkosten vs. Fixe und Variable Kosten
⚠️ Es handelt sich um zwei unterschiedliche Merkmale:
- Einzel- und Gemeinkosten: Unterscheiden sich aufgrund ihrer Zurechenbarkeit.
- Einzelkosten: Direkt einem Kostenträger zurechenbar (z.B. Einzelmaterialkosten).
- Gemeinkosten: Einer Kostenstelle zurechenbar (z.B. Hilfsmaterialkosten, Stromverbrauch für Maschinen).
- Fixe und Variable Kosten: Unterscheiden sich bezüglich ihrer Abhängigkeit von der Leistungsmenge.
- Variable Einzelkosten: Steigen mit der produzierten Menge (z.B. Einzelmaterialkosten).
- Variable Gemeinkosten: Steigen mit der produzierten Menge (z.B. Hilfsmaterialkosten).
- Fixe Einzelkosten: Unabhängig von der produzierten Menge (z.B. Werbekosten für ein Produkt).
- Fixe Gemeinkosten: Unabhängig von der produzierten Menge (z.B. zeitbezogene Abschreibungen, kalkulierte Zinsen).
3. ✅ Relevante und irrelevante Kosten und Erträge für Entscheidungen
Für fundierte wirtschaftliche Entscheidungen ist es entscheidend, zwischen relevanten und irrelevanten Kosten und Erträgen zu unterscheiden.
- Relevant: Künftige Kosten und Erträge, die durch eine Entscheidung verändert werden können.
- Irrelevant: Vergangene Kosten und Erträge, die durch Entscheidungen nicht mehr beeinflusst oder rückgängig gemacht werden können. Diese werden oft als versunkene Kosten (sunk costs) bezeichnet.
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