📚 Lernblatt: Betriebswirtschaftslehre – Grundlagen der Unternehmensführung
Dieses Lernmaterial wurde aus einem kopierten Text und einem Vorlesungstranskript zusammengestellt. Es bietet eine strukturierte Übersicht über zentrale Konzepte der Betriebswirtschaftslehre.
📝 Einleitung
Dieses Lernblatt führt in wesentliche Bereiche der Betriebswirtschaftslehre ein, die für das Verständnis moderner Unternehmensführung unerlässlich sind. Es beleuchtet Themen wie Lagerung und Logistik, Ablauforganisation, Organisationsentwicklung, Personalmanagement und Unternehmensstrukturen. Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis dieser komplexen Materie zu vermitteln.
I. Lagerung und Logistik
Die Lagerung und Logistik bilden ein Fundament jeder effizienten Wertschöpfungskette.
1. Funktionen der Lagerung ✅
- Aufbewahrungsfunktion (Hauptfunktion): Physische Sicherung der Güter.
- Ausgleichsfunktion (Bereitstellungsfunktion): Überbrückt die Zeit zwischen Materiallagerung und tatsächlichem Bedarf; benötigtes Material ist stets abrufbereit.
- Sicherungsfunktion: Stellt die Lieferbereitschaft sicher und gleicht Differenzen aus, um Produktionsausfälle zu vermeiden.
2. Ziele der Lagerhaltung ✅
- Geringe Lieferzeit
- Hohe Lieferzuverlässigkeit
- Hohe Lieferflexibilität
3. Lagerarten ✅
- Eingangslager: Zeitlich vor der Produktion; für Rohstoffe; Puffer zwischen Anlieferung und Produktion.
- Zwischenlager: Zeitlich während des Produktionsprozesses.
- Ausgangslager: Zeitlich nach dem Produktionsprozess.
4. Bestandsmanagement 📊
Zur Steuerung der Lagerbestände sind verschiedene Größen entscheidend:
- Mindestbestand (Sicherheitsbestand): ⚠️ Dient als Puffer für unerwartete Veränderungen, um Produktionsausfälle zu verhindern.
- Meldebestand: Signalisiert, wann neue Ware bestellt werden muss, basierend auf dem Materialverbrauch. Die verbleibenden Bestände müssen bis zur Lieferung ausreichen.
- Höchstbestand: Setzt sich aus Mindestbestand und optimaler Bestellmenge zusammen. Wird kurzfristig beim Eintreffen neuer Waren erreicht.
5. Bestellverfahren 🛒
Zwei Hauptverfahren zur Beschaffung:
- Bestellpunktverfahren:
- Bestand wird nach jeder Entnahme überprüft.
- Beim Erreichen des Meldebestandes wird eine feste Menge nachbestellt.
- Bestellmenge ist fix, Bestellzeitpunkt ist variabel.
- Bestellrhythmusverfahren:
- Bestand wird in regelmäßigen Abständen überprüft.
- Die Menge, die zur Erreichung des festgelegten Höchstbestandes notwendig ist, wird bestellt.
- Bestellzeitpunkt ist fix, Bestellmenge ist variabel.
6. Instrumente zur optimalen Bestellmenge 💡
- Bestellkosten: Summe aller Kosten, die unabhängig von der Bestellmenge durch die Bestellung anfallen.
- Lagerhaltungskosten: Summe aller Kosten, die aufgrund der notwendigen Lagerung der bestellten Menge entstehen.
7. Aufgaben der Materialplanung ✅
- Materialbedarfsplanung: Kontrolle über Lagerbestände.
- Materialbereitstellungsplanung: Lieferantenauswahl.
II. Organisation und Wandel
A. Ablauforganisation
Die Ablauforganisation strukturiert dynamische Arbeitsprozesse zur Erreichung bestimmter Ziele.
1. Definition 📚
Dynamische Arbeitsprozesse, die zur Erreichung bestimmter Ziele dienen. Faktoren wie Raum, Zeit, Sicherheit, Sachmittel und Personen werden berücksichtigt. Im Mittelpunkt steht die Aufgabenerfüllung.
2. Aufgaben der Ablauforganisation ✅
- Räumliche und zeitliche Strukturierung der Arbeitsprozesse.
- Ausstattung der Aufgabenträger mit den nötigen Sachmitteln und Informationen.
- Ziel: Reibungslose Aufgabenerledigung im Unternehmen.
3. Ziele der Ablauforganisation ✅
- Festlegung der Unternehmensprozesse.
- Durchführung der Arbeiten mit möglichst geringem Aufwand.
- Optimierung der Durchlauf-, Warte- und Leerzeiten.
- Termingerechte Ausführung der Arbeiten.
- Optimale Nutzung der vorhandenen Ressourcen.
4. Pläne der Ablauforganisation ✅
- Arbeitsplan: Angaben über Arbeitsvorgänge, Betriebsmittel, technische Fertigungsverfahren, Maschinen, Kostenstellen, Lohngruppen, Werkzeuge.
- Zeitplan: Zeitbedarf für alle Arbeitsvorgänge (Rüstzeit, Prozesszeit etc.).
- Materialfluss- und Transportpläne: Effiziente Gestaltung zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit und Erleichterung der Arbeit für Mitarbeiter.
5. Methoden zur Darstellung von Arbeitsabläufen ✅
- Darstellung durch Beschreibung: Zeitaufnahme, tabellarische Ablaufbeschreibung, verbale Beschreibung.
- Darstellung durch Bilder: Materialflussdarstellungen mit Grundrissen, Bauanleitungen, Modelle, Fotos.
- Darstellung durch Symbole: Balkendiagramm, Flussdiagramm, Netzplan, Programmablaufplan.
B. Organisationsentwicklung (OE)
Die Organisationsentwicklung ist ein langfristiger, systematischer Prozess zur Veränderung von Unternehmensstrukturen unter Einbeziehung der Mitarbeiter.
1. Definition 📚
Langfristiger, systematischer Prozess mit dem Ziel, die Strukturen eines Unternehmens unter Einbeziehung der darin arbeitenden Menschen zu verändern.
2. Ursachen für einen Organisationsentwicklungsprozess ✅
- Unternehmenswachstum
- Unternehmensstrategie
- Globalisierung
- Stärkerer Wettbewerb
3. Ziele der Organisationsentwicklung ✅
- Effizienzsteigerung:
- Steigerung der Flexibilität der Unternehmen.
- Erhöhung der Problemlösungs-Fähigkeiten.
- Steigerung der Identifikation der Führungskräfte und Mitarbeiter mit den Organisationszielen.
- Humanisierung:
- Einhaltung rechtlicher Regelungen.
- Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
- Entfaltung der Persönlichkeit der Mitarbeiter.
4. Einfluss der Organisationsentwicklung 💡
- Arbeitszeit: Starre Arbeitszeiten werden zunehmend durch flexible und individuelle Arbeitszeiten (z.B. Gleitzeit) ersetzt.
- Lohnformen: Akkordlohn wird zunehmend durch Prämiensysteme abgelöst.
- Arbeitsabläufe: Neue Maschinen erfordern neue Abläufe. Verantwortung und Selbstbestimmung der Mitarbeiter steigen, was verbesserte Kommunikation und Informationsweitergabe erfordert.
5. Lernende Organisation 🧠
Eine anpassungsfähige, auf äußere und innere Reize reagierende Organisation. Unternehmen nutzen dabei ein umfassendes Wissen über vergangene Entscheidungen und deren Konsequenzen.
6. Strategieansätze der Organisationsentwicklung ✅
- Top-Down-Ansatz: Veränderungsprozesse beginnen an der Spitze des Unternehmens.
- Bottom-Up-Ansatz: Veränderungsprozesse beginnen an der Basis des Unternehmens.
- Center-Out-Ansatz: Veränderungsprozesse beginnen in der Mitte des Unternehmens und breiten sich nach oben und unten aus.
7. Anregungen zur Organisationsentwicklung ✅
- Mitarbeiterbefragungen
- Gespräche mit Führungskräften
- Betriebliches Vorschlagswesen
8. Faktoren gegen den Erfolg eines organisatorischen Wandels / Abwehrhaltung der Mitarbeiter ⚠️
- Fehlende Kunden-/Marktorientierung
- Mitarbeiter werden nicht eingebunden.
- Falsche/unklare Strategie der Unternehmensführung.
- Fehlende Bereitschaft zur Veränderung.
- Mangelndes Budget.
- Mitarbeiter haben Angst um ihren Arbeitsplatz.
- Mitarbeiter haben Angst vor Veränderungen.
- Mitarbeiter glauben nicht an den Erfolg.
9. Phasen der Mitarbeiter nach Veränderung 1️⃣2️⃣3️⃣
- Schockphase: Schock und Überraschung, kann zu Blockade, Lähmung, Orientierungslosigkeit führen.
- Abwehrphase: Widerstand gegen Veränderung, Verteidigung alter Praktiken. Anzeichen: Widerspruch, Gegenargumentation, Aufregung, Streit.
- Neugierphase: Erste Interessen werden geweckt, Bereitschaft für erste Schritte.
- Experimentierphase: Neue Verhaltensweisen werden gesucht und ausprobiert. Gefahr eines Rückfalls besteht; Bestätigung und Erfolgserlebnisse fördern die positive Entwicklung.
- Erkenntnisphase: Mitarbeiter erkennen, dass alte Abläufe nicht mehr zeitgemäß sind und akzeptieren neue Gegebenheiten.
- Konsolidierungsphase: Neuerungen werden als Normalität angesehen.
10. Maßnahmen für positiven Einfluss auf Organisationsveränderung ✅
- Ausführliche und rechtzeitige Kommunikation in alle Richtungen.
- Einzelgespräche mit Betroffenen.
- Gruppengespräche.
III. Unternehmensstrukturen und -strategien
A. Organisationsformen
1. Einlinienorganisation ✅
- Beschreibung: Hierarchisch strukturierte Organisationsform. Jeder Mitarbeiter hat nur einen Vorgesetzten.
- Vorteile: Klare Abgrenzung von Kompetenzen und Verantwortung, einfacher und überschaubarer Organisationsaufbau, eindeutige Unterstellungsverhältnisse.
2. Mehrlinienorganisation ✅
- Beschreibung: Mitarbeiter erhält von mehreren Vorgesetzten, je nach Funktionsbereich, Weisungen.
- Vorteile: Führungskräfte sind Fachleute und erteilen nur Anweisungen, die ihr Fachgebiet betreffen; kurze Instanzenwege; direkte Weisungs- und Informationswege.
3. Stabliniensorganisation ✅
- Beschreibung: Eine Einlinienorganisation, die um Stabsstellen erweitert wurde.
- Vorteile: Entlastung der Führungskräfte durch Stäbe; Nutzung von Spezialkenntnissen der Stäbe; klare Zuständigkeiten.
4. Matrixorganisation ✅
- Beschreibung: Struktur erfolgt nach Funktion und Objekten. Mitarbeiter hat mehrere Vorgesetzte.
- Vorteile: Entlastung des Managements; Spezialisierungseffekte; Koordination bereichsübergreifender Funktionen.
B. Profit- und Cost-Center
1. Profit-Center 💰
- Eigenständiger Geschäftsbereich (oft Spartenorganisation).
- Trägt selbst die Verantwortung für Kosten und Ertrag der angebotenen Produkte/Dienstleistungen.
- Gewinnstreben steht im Vordergrund.
2. Cost-Center 📉
- Kein Zugang zum Kunden.
- Kein Gewinnstreben im Vordergrund, sondern die Einhaltung vorgegebener Kostenziele.
C. Unternehmenszusammenschlüsse / Übernahmen
1. Arten ✅
- Fusion: Mehrere Unternehmen schließen sich zu einem neuen Unternehmen zusammen.
- Konzern: Mehrere selbstständige Unternehmen schließen sich unter einer Leitung zusammen.
- Kooperation: Freiwillige Zusammenarbeit von Unternehmen zur Erzielung von Vorteilen bei unveränderter wirtschaftlicher Selbstständigkeit.
2. Gründe ✅
- Erreichen einer optimalen Marktgröße.
- Öffnung neuer Märkte.
- Konkurrenzbeseitigung.
- Sicherheit vor feindlichen Übernahmen.
- Rationalisierung.
3. Auswirkungen ✅
- Anbindung an internationale Märkte.
- Effizienzsteigerung durch größere und produktivere Unternehmen.
- Entziehung des nationalen Politikeinflusses.
4. Horizontale vs. Vertikale Unternehmenszusammenschlüsse ✅
- Horizontal: Höhere Marktmacht und stärkere Marktposition (Reduzierung/Ausschaltung des Wettbewerbs; bessere Einkaufskonditionen).
- Beispiel: Zusammenschluss von zwei mittelständischen Unternehmen mit gleichem Produktionsportfolio.
- Vertikal: Sichert die Beschaffungs- und/oder Absatzbasis.
- Beispiel: Zusammenschluss eines Chemieunternehmens mit einem Zulieferer.
5. Gesetzliche Regelungen ✅
- Gesetz zur Zulässigkeit von Unternehmenszusammenschlüssen: Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB).
- Institution zur Zulässigkeit von Unternehmenszusammenschlüssen: Bundeskartellamt.
D. Marktformen
1. Polypol 📈
- Viele kleine Anbieter und viele Nachfrager, die in Konkurrenz stehen.
- Beispiel: Viele Anbieter für Käse und viele Nachfrager.
2. Oligopol 📊
- Wenige Anbieter und wenige Nachfrager, die in Konkurrenz stehen.
- Beispiel: Wenige Hersteller von Spezialkränen, wenige Unternehmen, die einen brauchen.
3. Monopol 👑
- Nur ein oder sehr wenige marktbeherrschende Anbieter bzw. Nachfrager treten auf.
- Beispiel: Hersteller eines PKW-Ersatzteils steht einem Automobilunternehmen gegenüber.
E. Rechtsformen / Unternehmensformen
1. Kriterien für Rechtsformen (z.B. KG, GmbH) 📚
| Kriterium | Kommanditgesellschaft (KG) | Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) | | :------------------ | :------------------------------------------------------- | :------------------------------------------------------------------------- | | Geschäftsführung | Komplementär | Geschäftsführer | | Haftung | Vollhafter (persönlich unbeschränkt), Teilhafter (nur mit Kapitaleinlage) | Nur mit Gesellschaftsvermögen | | Gewinnverteilung | 4% des Kapitalanteils, Rest nach Vertrag in angemessenen Anteilen | Nach Kapitalanteilen | | Besteuerung | Einkommensteuer | Körperschaftsteuer | | Mindestkapital | Nein | 25.000 € |
2. GmbH (UG) – Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) 💡
- Ziele: Beschleunigung und Erleichterung der Gründung von haftungsbeschränkten Gesellschaften; Steigerung der Attraktivität gegenüber ausländischen Rechtsformen (Ltd).
- Regelungen zur vereinfachten Gründung:
- Gründung mit minimalem Kapital (ab 1 €).
- Beschleunigte Eintragung ins Handelsregister.
- Nach Ansparen von 25.000 € aus Gewinnen Umwandlung in eine GmbH möglich.
- Mögliche Nachteile:
- Mangelnde Zahlungsfähigkeit durch dünne Kapitaldecke.
- Unzureichende Bonität, da die Haftung nur auf die Einlage beschränkt ist.
- Merkmale GmbH: Juristische Person, deren Gesellschafter mit Einlagen auf das Stammkapital beteiligt sind, ohne persönlich für die Verbindlichkeiten zu haften. Organe: Geschäftsführer (gesetzliche Vertreter) und Gesamtheit der Gesellschafter. Bei >500 Mitarbeitern kann ein Aufsichtsrat beteiligt sein.
3. Kommanditgesellschaft (KG) 📚
- Merkmale: Handelsgesellschaft mit mindestens einem Vollhafter (Komplementär) und einem Teilhafter (Kommanditist, haftet nur mit Kapitaleinlage).
- Geschäftsführung: Liegt alleine beim Vollhafter. Teilhafter arbeiten nicht mit, haben aber ein Widerspruchsrecht bei außergewöhnlichen Geschäftsvorfällen.
4. GmbH & Co. KG 🤝
- Beschreibung: Personengesellschaft in Form der KG, bei der die GmbH der persönlich haftende Gesellschafter (Komplementär) ist und die Kommanditisten die Teilhafter sind. Die Haftung dieser Gesellschaft ist auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt.
- Wann in dieser Form zusammenarbeiten? Wenn der Komplementär der Firma 1 über ein entsprechendes Privatvermögen besitzt, das im Haftungsfall herangezogen werden kann, und dieses eine größere Sicherheit als das Stammkapital der GmbH bietet.
- Vorteil: Kombination aus beschränkter Haftung der GmbH und steuerlichen Vorteilen der Personengesellschaft KG (keine Körperschaftsteuer).
IV. Personalmanagement (Human Resources)
1. Bereiche und Aufgaben ✅
- Personalabrechnung: Erfassung von Stunden, Erstellen der Lohn- und Gehaltsabrechnungen.
- Sozialwesen: Organisation der Nutzung betrieblicher sozialer Einrichtungen, Organisation von Betriebsfesten.
- Personalbeschaffung: Personalbedarf ermitteln, Stellenausschreibungen (intern/extern) durchführen.
- Personalverwaltung: Stammdaten pflegen, Fehltage dokumentieren.
- Personalentwicklung: Qualifizierungsbedarf erfragen, Weiterbildungen anbieten.
2. Management by Objectives (MbO) – Führung durch Zielvorgaben 🎯
- Beschreibung: Mitarbeiterführung durch Zielvorgaben, die sich aus übergeordneten Unternehmenszielen ableiten. Mitarbeiter können selbst entscheiden, wie sie diese Ziele erreichen.
- Entlohnung: Beim Erreichen des Ziels wird eine Prämie gezahlt.
- Kriterien für Zielvorgaben: Positiv formuliert, vom Mitarbeiter beeinflussbar, sinnvoll, zeitlich realisierbar.
3. Entgelt 💰
- Anforderungsgerechte Entgeltdifferenzierung: Lohnhöhe soll den Anforderungen des Arbeitsplatzes entsprechen (schwierige Arbeit wird höher entlohnt als einfache). Lohnhöhe ist unabhängig von der Leistung des Mitarbeiters.
- Leistungsbezogene Entgeltdifferenzierung: Lohnhöhe entspricht der individuellen Leistung des Mitarbeiters. Lohnhöhe wird somit durch den Mitarbeiter beeinflusst.
4. Arbeitsbewertung 📚
- Definition: Analyse und Bewertung eines Arbeitsplatzes oder einer Stelle bezüglich der Anforderungen und Arbeitsbedingungen mittels systematischer Kategorien. Persönliche Merkmale der Mitarbeiter bleiben außer Betracht. Ermöglicht leistungsunabhängige Lohndifferenzierung.
- Summarische Arbeitsbewertung: Anforderungen an die Stelle als Ganzes betrachtet und die Stelle dann einem Rang oder einer Gruppe zugeordnet.
- Analytische Arbeitsbewertung: Anforderungen werden mittels einzelner Kriterien getrennt bewertet. Bewertungskriterien können abgestuft und unterschiedlich gewichtet sein. Summe der Einzelbewertungen führt zu einem Gesamtwert, der den Wert oder Rang der Stelle anzeigt.
5. Prämienarten 🎁
- Mengenprämie: Ersatz für Akkord, wenn dieser nicht möglich ist.
- Qualitätsprämie: Schutz gegen Qualitätsverlust.
- Nutzungsprämie: Steigerung der Betriebsmittelnutzungszeit.
- Ersparnisprämie: Sorgfältiger Umgang mit Hilfs- und Betriebsstoffen.
- Sorgfaltprämie: Entgelt für Unfallverhütung.
- Terminprämie: Einhaltung besonders terminkritischer Aufträge.
6. Erfolgsbeteiligung 📈
- Definition: Leistung des Arbeitgebers an Mitarbeiter, die sich aus einer vertraglich zugesicherten Beteiligung an einer betrieblichen Erfolgsgröße (z.B. Gewinn, Erfolg, besondere Leistung) ableitet.
- Gründe: Motivationsanreize, Anreize für Leistungssteigerungen, Förderung der Betriebstreue.
7. Summarische Methode der Arbeitsbewertung ✅
- Rangfolgeverfahren: Jeder Arbeitsplatz wird durch Vergleich mit anderen in Bezug auf die Anforderungen summarisch bewertet und in eine Reihenfolge gebracht.
- Vorteil: Kostengünstig.
- Nachteil: Subjektive Bewertung.
- Lohngruppenverfahren: Schwierigkeiten werden summarisch beschrieben und in Stufen/Lohngruppen ausgedrückt. Dazu werden Richtbeispiele zugeordnet.
- Vorteil: Kostengünstig.
- Nachteil: Grobe Berücksichtigung unterschiedlicher Aufgaben.
- Besonderheit: Anwendung auch in Tarifverträgen. Aufgaben werden durch Richtwerte katalogisiert (kaufmännisch, technisch). Lohngruppen-Zuordnung.
8. Kriterien für die Höhe des Entgeltes ✅
- Soziale Faktoren (Alter, Berufsjahre)
- Qualifikationen
- Anforderung
- Arbeitsmarkt
9. Direkte Aufwandsarten, die der Arbeitgeber beachten muss ✅
- Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
- Urlaubs-, Weihnachtsgeld
- Arbeitgeberanteile an Sozialversicherungen
10. Anforderungsarten an den Mitarbeiter ✅
- Kenntnisse
- Verantwortung
- Umwelteinflüsse
- Geistige Belastung
V. Prozessoptimierung und Produktivität
A. Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP)
1. Arten der Verschwendung 🗑️
- Überproduktion
- Warten / Verzögerung
- Transport
- Hohe Bestände
2. Auswirkungen durch KVP auf Verschwendung 💡
- Überproduktion: Hohe Bestände können zu langen Durchlaufzeiten und Lieferzeiten führen, da Ressourcen gebunden werden, die für die Fertigung tatsächlicher Kundenaufträge eingesetzt werden könnten.
- Warten/Verzögerung: Lange Durchlaufzeiten, nachlassende Motivation der Mitarbeiter.
- Transport: Mitarbeiter müssen ihre Tätigkeit unterbrechen, weil Komponenten nicht vor Ort sind.
- Hohe Bestände: Verursachen Kapitalbindungskosten und bergen das Risiko der Wertminderung durch Überalterung.
3. Bewertung von Verbesserungsvorschlägen ✅
- Ziele: Prozessoptimierung, Produktoptimierung, Stärkung der Motivation und Entwicklung der Mitarbeiter.
- Unterschied zwischen errechenbarem und nicht errechenbarem Nutzen:
- Monetär (errechenbar): Einsparungen in Zeit/Material lassen sich bewerten (mittels Wirtschaftlichkeitsberechnungen).
- Nicht-Monetär (nicht errechenbar): Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen können nach einem Katalog bewertet werden (qualitative Kriterien).
B. Produkt
1. Produkteigenschaften, die für den Verkaufserfolg entscheidend sind ✅
- Lebensdauer
- Qualität
- Preis
- Service
2. Wettbewerbsfähigkeit steigern 📈
- Kosten müssen auf Einsparpotenziale untersucht werden.
- Produktinnovationen.
- Produktelimination (Produktion eines Produktes wird eingestellt).
3. Produktivität steigern 🚀
- Einsatz von Maschinen.
- Einsatz von Führungsstilen.
- Überprüfung des Lohnsystems.
- Verbesserung von Arbeits- und Ablauforganisationen.
C. Just-In-Time-Produktion (JIT)
1. Definition 📚
Auch als bedarfssynchrone Produktion bezeichnet, bei der das Material nur in der Stückzahl und zu dem Zeitpunkt produziert und geliefert wird, wie es tatsächlich zur Erfüllung der Kundenaufträge benötigt wird.
2. Ziele ✅
- Optimierung des Produktionsprozesses.
- Verringerung der Durchlaufzeiten.
- Minimierung des Lagerbestands.
- Kostenreduzierung.
VI. Changemanagement
1. Ziele ✅
- Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Organisation durch effizientere und flexiblere Strukturen und Abläufe.
- Verbesserung der Anpassungsfähigkeit des Unternehmens an Veränderungen des Marktes.
- Veränderung und Verbesserung der Qualität des Arbeitslebens der Mitarbeiter durch Beteiligung an Entscheidungen.
- Verbesserung der zwischenmenschlichen Kommunikation, ständige Personalentwicklung, Teamarbeit, kooperativer Führungsstil, Förderung des Betriebsklimas usw.
2. Vorteile für das Unternehmen ✅
- Erhöhte Wettbewerbsfähigkeit.
- Optimierung der Prozesse durch Teamarbeit.
- Kürzere Durchlaufzeiten.
- Bessere Qualität der Produkte.
3. Gründe der Mitarbeiter gegen Changemanagement ⚠️
- Mitarbeiter haben Angst vor Veränderungen.
- Mitarbeiter haben Sinn, Zweck und Motive der Veränderungsmaßnahme nicht verstanden.
- Mitarbeiter glauben nicht an Veränderungen.
4. Anforderungen an Führungskräfte und Mitarbeiter ✅
- Beteiligung von Führungskräften und Mitarbeitern.
- Verbesserung der Kommunikation.
- Mehr Eigenverantwortung für die Mitarbeiter.
- Kreativität, Offenheit für Neues.
5. Funktionsorientierung vs. Prozessorientierung ✅
- Funktionsorientierung: Aufbau und Organisation eines Unternehmens nach Funktion, Produkten und Regionen. Die Funktionsstruktur stellt die Basis dar, an der sich die Prozesse orientieren.
- Prozessorientierung: Der Prozess steht im Vordergrund. Die Abteilungs- und Stellenbildung erfolgt nach den Erfordernissen der Ablauforganisation. Prozessorientierte Unternehmen können sich besser an veränderte Marktsituationen anpassen und sich kontinuierlich weiterentwickeln.
6. Trends im Changemanagement ✅
- Teambildung
- Outsourcing
- Verbesserung der Kommunikation
- Teilautonome Arbeitsgruppen
VII. Investition / De-Investition
- Investition: Kauf einer neuen Maschine.
- De-Investition: Verkauf von Anlagevermögen.
- Erweiterungsinvestition: Investitionen zur Erweiterung der betrieblichen Leistungsfähigkeit.
- Horizontale Erweiterung: Quantitative Ausweitung des Produktionsprogramms.
- Vertikale Erweiterung: Vergrößerung der Produktionstiefe.
- Ersatzinvestition: Substanzerhaltung des Unternehmens.
- Rationalisierungsinvestition: Zur Verbesserung/Modernisierung der betrieblichen Anlagen (Kostensenkung).
VIII. Sonstiges / Ergänzende Konzepte
1. Restgemeinkosten 💰
Fertigungsgemeinkosten, die dem Maschinenplatz nicht direkt zugerechnet werden können (z.B. Gehälter, Handwerkzeuge).
2. Aufbauorganisation 🏗️
- Zeigt die Zuständigkeiten für die arbeitsteilige Erfüllung der Aufgaben auf.
- Arbeitsaufgaben orientieren sich an Verrichtung und Objekt.
- Es werden Stellen gebildet, hierarchische Strukturen festgelegt und der Aufbau dokumentiert.
3. Aufgabenanalyse 🔬
- Gedankliche Zerlegung einer Gesamtaufgabe in verteilungsfähige Teilaufgaben.
- Eine Aufgabe wird dabei nach folgenden Merkmalen zerlegt:
- Aufgabenträger: Wer erfüllt die Aufgabe?
- Objekt: Woran wird die Aufgabe erfüllt?
- Verrichtung: Wie wird die Aufgabe erfüllt?
- Sachmittel: Womit wird die Aufgabe erfüllt?
- Raum: Wo wird die Aufgabe erfüllt?
- Zeit: Wann wird die Aufgabe erfüllt?
4. Aufgabensynthese 🧩
- Die ermittelten Teilaufgaben werden zu Aufgabenkomplexen zusammengefasst, sodass die betrieblichen Prozesse durch einen Aufgabenträger am effektivsten bearbeitet werden können.
- Die Aufgabenkomplexe werden bis auf die kleinste Stelle verteilt.
5. Stellenausschreibung 📄
- Definition: Verbindliche, in schriftlicher Form abgefasste Fixierung der organisatorischen Eingliederung einer Stelle zur Schaffung einer transparenten, umfassenden und überschneidungsfreien Ordnung der Zuständigkeiten. Hilfsmittel für Karriereplanung und Arbeitsbewertung.
- Inhalte: Stellenbezeichnung, Stellenaufgaben, Stellenverantwortung, Stelleneinordnung, Stellenanforderungen.








